Vor­sicht vor «Bench­mar­king» und «Best Practice»

von | 31. Okt, 2012 | Kern­kom­pe­ten­zen, Stra­te­gie, Wett­be­werbs­vor­tei­le | 0 Kom­men­ta­re

So­wohl Bench­mar­king als auch Best Prac­tice ver­wen­den als Ver­gleichs­re­fe­renz die Kon­kur­renz. Bei Bench­mar­king geht es dar­um, die ei­ge­ne Per­for­mance an den Leis­tungs­kri­te­ri­en der Mit­be­wer­ber zu mes­sen. Da­mit las­sen sich die ei­ge­nen Un­ter­neh­mens­leis­tun­gen ob­jek­tiv zu de­nen der Kon­kur­renz im Ge­sam­ten be­wer­ten. Der Best Practice-Ansatz hin­ge­gen ist um­fas­sen­der. Hier wer­den die ei­ge­nen Leis­tun­gen wie Pro­zes­se, Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen, Me­tho­den usw. mit ei­ner aus­ge­wähl­ten Grup­pe von Spit­zen­un­ter­neh­men (bzw. den Bes­ten der Bran­che) ver­gli­chen und transferiert.

Soft­ware­un­ter­neh­men su­chen mit Best Prac­tice und Bench­mar­king al­so für sich selbst wie auch für ih­re Kun­den nach Mus­ter­lö­sun­gen bei Drit­ten. Die Kon­kur­renz wird da­mit zur Richt­schnur für den ei­ge­nen Fortschritt.

Da­mit ge­hen zwei Haupt­ge­fah­ren einher:

  1. Bei bei­den Ver­fah­ren, Bench­mar­king wie auch Best Prac­tice, ori­en­tiert man sich an ei­nem «his­to­ri­schen Sta­tus quo». Al­so am Er­geb­nis von Ent­wick­lun­gen, die die Kon­kur­renz be­reits in der Ver­gan­gen­heit um­ge­setzt hat und des­halb heu­te da steht, wo sie steht. Als Ori­en­tie­ren­der rennt man da­mit der Ent­wick­lung hin­ter her und wird mit noch so gros­sen An­stren­gun­gen die Vor­bil­der nie er­rei­chen. Denn die­se ent­wi­ckeln sich in der Zwi­schen­zeit auch weiter.
  2. Bench­mar­king und Best Prac­tice ver­stär­ken zu­sätz­lich die Ten­denz zur Ähn­lich­keit, zum Mit­tel­mass und zur Aus­tausch­bar­keit in­ner­halb der Bran­che. Sie sind da­mit ei­ne we­sent­li­che Ur­sa­che für den sog. «Over­kill des Nor­ma­len» wie sich der Stra­te­gie­ex­per­te Ralph Scheuss tref­fend aus­drückt. Die Stra­te­gie­lö­sung für Soft­ware­an­bie­ter im har­ten Wett­be­werb liegt aber eben ge­ra­de nicht in der Gleich­ma­che­rei, son­dern in der Dif­fe­ren­zie­rung und Al­lein­stel­lung. In­so­fern hel­fen Bench­mar­king und Best Prac­tice nicht weiter.

Selbst­ver­ständ­lich ge­hört ein so­li­des Wis­sen über die Kon­kur­renz, ih­re Pro­duk­te, Stär­ken und Schwä­chen, ihr Mar­ke­ting und ih­re Stra­te­gie zum not­wen­di­gen Rüst­zeug ei­ner wir­kungs­vol­len Strategie- und Po­si­tio­nie­rungs­ent­wick­lung. Es steht auch aus­ser Fra­ge, dass man von an­de­ren Un­ter­neh­men viel Gu­tes ler­nen kann und auch soll. Ge­dan­ken­lo­ses Ko­pie­ren darf aber da­zu nicht ge­hö­ren. In die­sem Sin­ne lau­tet die er­folg­rei­che For­mel viel­mehr: Bench­mar­king und Best Prac­tice PLUS ei­ge­ne Innovationen.

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